„Schule – ich komme!“

Die Kardinal von Galen Schule, die sich seit 20 Jahren dem Inklusionsgedanke widmet, bietet seit drei Jahren das Projekt „Schule – ich komme!“ an. Dieses Projekt richtet sich an Kinder im letzten Kindergartenjahr, also an die 5-6-jährigen, die im folgenden Sommer in die Schule kommen. Ab Februar vor Schuleintritt können die Kinder im 14-tägigen Rhythmus  acht  Mal zu uns in die Schule kommen, jeweils für zwei Stunden, integriert in den normalen Schulvormittag. Dort werden sie von einer Lehrerin und einer Schulsozialarbeiterin betreut, sowie stundenweise von der Sonderpädagogin,  die die Kinder im künftigen ersten Schuljahr begleiten wird.

Das Projekt verfolgt zwei große Ziele: Den Kindern den Übergang vom Kindergarten in die Grundschule zu erleichtern und ihnen Lust aufs Lernen zu machen! Ihre Vorerfahrungen in den Lernbereichen möchten wir aufgreifen, kindgerecht vertiefen und als Basis für unsere Schularbeit nutzen.

Im Allgemeinen sind Vorschulkinder voller Vorfreude und Neugier auf die Schule und haben schon in vielen Bereichen Vorerfahrungen gemacht.  Eine große Rolle spielt hierbei die Sprachkompetenz der Kinder. Von ihr und der Teilnahme am Schulleben hängt ein großer Teil des schulischen Lernerfolges ab. Genau wie in anderen Bereichen, sind aber auch im sprachlichen Bereich die Vorerfahrungen sehr unterschiedlich. Sowohl ausländische als auch deutsche Kinder haben immer weniger Kontakt zu Büchern oder anderen Lesematerialien und ihnen fehlt es  nicht selten an Sprachkompetenz und Aufgabenverständnis. Hier knüpfen wir mit unserem Projekt „Schule – ich komme!“ an. Wir geben Kindern in kleinen Gruppen die Möglichkeiten, Sprache anzuwenden, die Struktur deutscher Wörter kennenzulernen, spielerisch damit umzugehen und dieses als Basis des Leselernprozesses zu nutzen.

In einem kurzen Morgen- und Begrüßungskreis wird gemeinsam gesungen. Dieses gemeinsame Begrüßungslied führt die Kinder in den Morgen ein, „bricht das Eis“ und macht den Kindern Spaß. Schon nach wenigen gemeinsamen Treffen verbinden die Kinder dieses Ritual mit dem Schulbeginn. Kurze, leicht zu erlernende Lieder werden mit Bewegungen verbunden und prägen sich so leichter ein. Unbewusst werden die Rhythmen unserer Musik und unserer Sprache aufgenommen; die Kinder lernen hier die deutsche Sprache, Reime und Klänge und die Satzstrukturen kennen.

Nach diesem gemeinsamen Beginn teilt sich die Gruppe in zwei Kleingruppen auf. Eine Gruppe widmet sich nun an mehreren Stationen verschiedenen Spielen. Diese wird von der Schulsozialarbeiterin betreut. Besonderes Augenmerk wird hierbei auf die Sprache und Hinführung zum Lesen gelegt. Da unsere Schule den Leselehrgang mit dem Lehrwerk „ABC der Tiere“ (Silbenmethode) absolviert, legen wir schon von Anfang an großen Wert auf die Silbenstruktur der deutschen Sprache. Hierbei ist das Silbenklatschen von großer Bedeutung. Daher werden an den Spielstationen besonders viele Spiele zum Thema Silben angeboten (z.B. „Klatsch die Silbe“, Tiermemory). Die Kinder kneten verschiedene Tiere, die später in dem Lehrgang wieder auftauchen und natürlich Buchstaben, die sie z.B. bereits aus ihrem Namen kennen. Wir nutzen Montessori-Material, das besonders Kinder im Kindergartenalter anspricht, deren Basiserfahrungen schult und Kinder immer wieder zum untereinander Agieren anregt. An einer anderen Station geht es um das Betrachten von Bilderbüchern. Kinder lieben sogenannte „Wimmelbücher“, zu denen sie viel erzählen und durch das Zuhören unbewusst ihren Wortschatz erweitern. Die Bildbetrachtung schult die Konzentration und die Fähigkeit, anderen aktiv zuzuhören – eine wichtige Lesekompetenz. An den verschiedenen Spielstationen können sich auch Eltern aktiv einbringen und unser Projekt so unterstützen.

Die andere Kleingruppe betrachtet in der Zeit gemeinsam mit der Lehrerin das Bilderbuch „Der kleine Bär entdeckt das Schreiben“ von Sylvia Englert. Hierzu gibt es gemeinsame Bildbetrachtungen und die Kinder erzählen zu den bunten, ansprechenden Bildern. Anschließend wird der Bilderbuchtext vorgelesen. Inhaltlich erfahren die Kinder hier die Notwendigkeit des Lesens und Schreibens. Im Anschluss an die Bildbetrachtungen wird in Anlehnung an das Bilderbuch an schulische Arbeitstechniken in Einzelarbeit herangeführt. Die Tiere, die im Buch vorkommen, werden angemalt, Tiernamen geklatscht, Silbenbögen dazu gemalt, auf Arbeitsblättern wiedergefunden,  gezählt und vieles mehr. Eine kleine Hausaufgabe macht die Kinder stolz und beendet die „Unterrichtsstunde“.

Ein gemeinsames Frühstück dient als kurze Entspannungsphase; hier kommen die Kinder ins Gespräch, lernen sich kennen und haben Freude am gemeinsamen Essen. Im Anschluss werden die Gruppen getauscht, so dass jedes Kind sowohl den spielerischen als auch den schulischen Teil des Projekts durchläuft.

Das Projekt erfreut sich seit seiner Einführung im Jahr 2015 zunehmender Beliebtheit. Obwohl es ein freiwilliges Angebot ist, melden fast alle Eltern ihr künftiges Schulkind dazu an und erlauben uns auch, mit den Kindertagesstätten über unsere Beobachtungen ins Gespräch zu kommen. Selbst mennonitische Eltern, deren Kinder in Normalfall keine Kitas besuchen, nehmen dieses Angebot gerne an.  Besonders durch die Einbindung unserer Schulsozialarbeiterin sowie einer sonderpädagogischen Lehrkraft haben wir die Möglichkeit, gemeinsam mit den Eltern zu überlegen, welche Unterstützungsangebote (z. B. Logopädie) noch vor Schulbeginn sinnvoll wären.

Am Tag der Einschulung erleben wir kaum noch ängstliche und verunsicherte Kinder. Alle freuen sich, nun endlich „richtig“ zur KvG dazuzugehören!